Generalmajor Hans Stenglein und der Überfall auf Polen durch das Panzerregiment 35

Generalmajor Hans Stenglein und der Überfall auf Polen durch das Panzerregiment 35

Generalmajor Dipl.-Ing. Hans Stenglein

In this pre-World War II photograph, Stenglein is wearing the special black panzer uniform with full military decorations, the panzer beret and the parade dress belt. The large wool beret was merely a decorative cover for a well-padded crash helmet. The wear of the black panzer beret was formally discontinued on 15 January 1941.

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Es dürfte 1963/64 gewesen sein, als ich bei einer Veranstaltung in Johannisthal (bei Kronach) von einem Herrn, der sich als Otto Kirchner vorstellte, gefragt wurde, ob ich mit seinem Schwiegervater Fritz Stenglein, der eine Zimmerei und Schreinerei in Au betreibe, verwandt sei.1 Die Frage musste ich verneinen. Trotzdem habe ich dann in groben Zügen die Geschichte der Familie erzählt bekommen. Der erste Stenglein in Au habe aus Eben gestammt. Er hätte eine Witwe geheiratet und eine Zimmerei begründet, die einer der drei Söhne übernommen habe. Ein anderer Sohn habe sich in der Nähe von Berlin als Kaffeehausbesitzer niedergelassen und ein weiterer Sohn sei General in München geworden. So behielt ich das Gespräch in Erinnerung.2 Um von vornherein Klarheit zu schaffen: Der General gehört nicht zu dieser, sondern zu einer anderen Sippe. Darauf komme ich sofort wieder zurück.

Im Laufe der Zeit habe ich mich bei meinen Nachforschungen über die weit verzweigte Sippe Stenglein im ehemaligen Hochstift Bamberg auch mit den Familien dieses Namens im „Grenzgebiet“ Kulmbach befasst und dazu die protestantischen Stenglein etwas näher unter die Lupe genommen.

1999 wurde ich wieder mit dieser Sache konfrontiert, als mir der SPD-Ortsverein Eltmann zu meinem siebzigsten Geburtstag das Buch „Der schwierige Außenseiter“ von Wilhelm Hoegner schenkte, in dem ein Ludwig Stenglein, den ich keiner Familie zuordnen konnte, auftaucht. Bei meinen Recherchen bin ich erneut auf die Familie Stenglein in Eben mit einer Linie in Schmeilsdorf gestoßen. Folglich musste ich mich abermals mit dieser Familie beschäftigen, dieses Mal wegen des Generals Stenglein. Also habe ich die alten Unterlagen hervorgeholt und sie durch neue Forschungen ergänzt. Das Ergebnis liegt jetzt vor.

Ahnherr der Familie ist der am 5. November 1741 in Seidenhof bei Kulmbach geborene Zimmermeister Johann Stenglein, der mit seiner Frau Margareta, geborene Lanzendörfer, vier Kinder hatte: Johann Georg (*25.12.1767), Johann (*12.9.1769), Katharina (*9.11.1774) und Heinrich (*24.10.1778), von denen Johann Georg und Johann von Belang sind.

Johann Georg heirate am 3.1.1793 in Schwarzach die Anna Gertrau Köslin; er ist der Begründer der Schwarzacher bzw. Schmeilsdorfer Linie.3

Johann verehelichte sich am 28.5.1789 in Gärtenroth mit der Kunigunda Öhrlein. Er ist über seinen Sohn Andreas (*3.7.1807), der am 25.4.1833 die Katharina Rühr aus Danndorf zur Frau nahm, der Begründer der Ebener bzw. Auer Linie und – das ist das Ergebnis der neueren Forschungen – auch einer Ingolstädter Linie, weil nämlich, wie schon angedeutet, der in Rede stehende General Stenglein mit dem Vornamen Hans nicht in Au, sondern in Ingolstadt geboren wurde.

Und das ist die Geschichte:
Der „Sectionspalier Johann Stenglein aus Eben, protestantischer Konfession“, verheiratete sich am 26. April 1875 in der katholischen Pfarrkirche St. Moritz in Ingolstadt mit der Aloisia Fleißer aus Ingolstadt. Der Bräutigam, geboren am 9. Oktober 1847 in Eben, war – wie sein bereits in der Fußnote 2 genannter Bruder Michael (*18.1.1838) – ein Spross des Zimmermeisters Andreas Stenglein und dessen Frau Katharina, geborene Rühr.
Die Braut ist eine Tochter des Geschmeidemachers Andreas Fleißer und dessen Frau Walburga, geborene Höcht, gewesen.4
Der „Sectionspalier“ arbeitete bei der Bahn, war Oberbauführer und Bahnverwalter. Der Ehe entsprossen sieben Kinder, die katholisch getauft wurden. Vier gaben schon bald ihren Geist auf. Übrig blieben eine Franziska (*21.5.1877), die am 31.10.1910 in München die Ehe mit dem Bahnsekretär Ludwig Allmer schloss, ein Otto Heinrich (*10.8.1883), der 1919 als Bauführer in München erwähnt wurde, und der besagte Johann Andreas (*20.2.1895), genannt Hans, der spätere General.
Am 3. Dezember 1912 ist die Familie von Ingolstadt nach München gezogen, wo sie in der Görresstraße 14/3, Zaubzerstraße 34/3 und Daiserstraße 40/1 gewohnt hat. Die Frau ist am 4. Juli 1919 verschieden, der Mann als Witwer am 5. August 1929.5

Nachdem die Herkunft des Generals geklärt ist, zeichne ich nun seinen Werdegang nach. Zupass kam mir bei meinen Recherchen ein PROFILE unter SOME OF THE PRISONERS HELD AT SPECIAL CAMP 11 (the profile is based on a copy of Generalmajor Dipl.-Ing. Stenglein’s microfilmed service record housed at the United States National Archives and Records Administration in Washington, D.C.), das ich im Internet gefunden hatte und dem auch Stengleins Photo (s. o.) entnommen ist. Stengleins Personalakte wird im Militärarchiv beim Bundesarchiv unter der Signatur Pers 6/1944 aufbewahrt.

Gymnasium in Ingostadt 1905-1912
Gymnasium in München 1912-1914 Abitur am Ludwigsgymnasium
Kriegsfreiwilliger 04.08.1914
Fahnenjunker 19.12.1914
Fahnenjunker- Uffz. 01.01.1915
Fähnrich 12.03.1915
Leutnant 02.06.1915 ab 17.03.1918: Kompaniechef, abkommandiert
Oberleutnant 01.10.1923 ab 01.04.1928: Studium an der TH München
Hauptmann 01.05.1928 ab 01.10.1934: Kompaniechef
Major 01.03.1935 ab 15.04.1935: im Verteidigungsministerium
Oberstleutnant 01.01.1938 ab 01.11.1938: Bataillonskommandeur
Oberst 01.04.1940 ab 01.10.1940: Regimentskommandeur
Generalmajor 01.04.1944 ab 04.02.1942: Generalstabsoffizier.

Das sind – auszugsweise – die einzelnen Stationen seiner Laufbahn:

  • 4 August 1914: Entered the Royal Bavarian Army as a War Volunteer in the Replacement Battalion of the Bavarian 1st Fußartillerie Regiment vacant Bothmer.
  • 1 November 1914: In the field with the 4th Battery of the Bavarian 1st Foot Artillery Regiment.
  • 28 February 1915: In the field with the Bavarian 2nd Field Pioneer Company.
  • 19 February 1916: Leader of Bavarian Mortor Platoon 401 at the Mortor Park in Köln.
  • 8 March 1916: In the field with Mortar Company 5.
  • 9 November 1917: Adjutant of the Bavarian 3rd Pioneer Battalion.
  • 17 March 1918: Leader of Bavarian Mortar Company 208.
  • 12 September 1918: Leader of the Mortar Company of the Bavarian 23rd Reserve Infantry Regiment.6
  • 8 January 1919: Adjutant of the Bavarian Mortor Replacement Battalion München.
  • 5 May 1919: Entered the Bavarian Mortar Volunteer Battalion „Will“. [While serving in this battalion and later in the Bavarian Schützenkorps, Stenglein took part in the suppression of the Communist uprisings in München, 5 May 1919-15 June 1919.] [[… Unterdrückung des Kommunistenaufstandes in München …]]
  • 21 May 1919: Entered the Mortar Battery of the Bavarian Schützenkorps [Rifle Corps]
  • 1 November 1919: Transferred to the staff of Signals Battalion 21.
  • 12 June 1920: Adjutant of Signals Battalion 21.
  • 1 October 1920: Transferred to the 7th (Bavarian) Pioneer Battalion.
  • 7 March 1921-7 May 1921: Detached to the 7th (Bavarian) Signals Battalion for training as a Signals Officer. [Took part in the suppression of civil disturbances in central Germany, 4-6 April 1921.] [[… Unterwerfung der zivilen Unruhen in Mitteldeutschland …]]
  • 23 Nov. 1921: Detached to the 1st Company of the 7th (Bavarian) Motorized Battalion.
  • 1 April 1922: Company Officer in the 1st Company of the 7th (Bavarian) Motorized Battalion. [Took part in the suppression of the Nazi uprising (Adolf Hitler’s „Beer Hall Putsch“) in München, 8-23 November 1923.] [[Nahm teil an der Niederschlagung des Hitlerputsches im Bürgerbräukeller … Siehe u. a.: Der 9. November in der deutschen Geschichte und meine Arbeit Ludwig Stenglein, Ankläger im Hitler-Prozess 1924 und Hans Ehard, seine rechte Hand]]
  • 1 May 1926: Transferred to the 7th (Bavarian) Motorized Battalion.
  • 1 April 1928: Transferred to the 7th (Bavarian) Artillery Regiment and detached to the München Technical College with duties determined by the Army Weapons Office.
  • 1 April 1933-31 March 1934: In addition to detached service at the München Technical College, detached to the Reich Defence Ministry with duties determined by the Army Weapons Office.
  • 30 October 1933: Granted the title of Academically Certified Engineer (Dipl.-Ing.).
  • 1 October 1934: Chief of the 2nd Company of 7th Motorized Battalion „Straubing“.
  • 15 April 1935: Transferred to Office Group 6 for Development and Testing (WaPrüf 6) of the Army Weapons Office/Reich Defence Ministry, on 21 May 1935 renamed the Reich War Ministry.
  • 1 November 1938: Detached to the Formation Staff of Panzer Regiment 35 [in Bamberg].
  • 10 November 1938-1 Sept. 1939: Commander of the I. Battalion of Panzer Regiment 35 (Oberstleutnant Heinrich Eberbach7) of the 4th Panzer Division (Generalmajor Georg-Hans Reinhardt8). [Kommandeur des II. Bataillons war Major Hochbaum, siehe: Gliederung 4. Panzerdivision Polen 1939]
  • 1 September 1939: Severely wounded at Mokra, Poland/ in hospital. [The 4th Panzer Division took part in the invasion of Poland as a component of General der Infanterie Gustav von Wietersheim’s9 XIV Army Corps (Motorized). Oberstleutnant Stenglein received a lung wound on the very first day of World War II while leading his panzer battalion in the attack on Mokra. Hauptmann Meinrad von Lauchert10, Chief of the battalion’s 2nd Company, succeeded Stenglein as battalion commander. Later achieving the rank of Generalmajor; v. Lauchert is perhaps best remembered for commanding the 2nd Panzer Division during the German Ardennes Offensive in December 1944.]
  • 8 March 1940: Transferred to Panzer Replacement Battalion [[?, Regiment ?]] 35.
  • 15 June 1940: Detached to Army High Command Leader Reserve in Army Group B. [Commanded by Generaloberst (later Generalfeldmarschall) Fedor von Bock. Army Group B was one of the three German army groups that took part in the invasion of the Low Countries and France in May-June 1940.]
  • 1 July 1940-30 September 1940: Detached to Office Group 6 for Development and Testing (WaPrüf 6) of the Army Weapons Office/Army High Command.
  • 1 October 1940-17 July 1941: Commander of Panzer Regiment 29 of the 12th Panzer Division [[= Kurlanddivision Stettin]]. [Commanded by Generalleutnant Josef Harpe11. The 12th Panzer Division took part in the invasion of the Soviet Union from 22 June 1941 as a component of Generaloberst Hermann Hoth’s12 Panzer Group 3. The division saw heavy combat during the large-scale encirclement battles at Minsk and Smolensk in July 1941.]
  • 18 July 1941: Transferred to Leader Reserve in Army Group Centre for employment as a panzer regiment commander.
  • 22 July 1941: Transferred to Leader Reserve in Army Group North for employment as a panzer regiment commander.
  • 19 August 1941: Transferred to Army High Command Leader Reserve – duties determined by the Commander of the 11th Army (Generaloberst Eugen Ritter von Schobert and then General der Infanterie Erich von Lewenski genannt v. Manstein from 13 September 1941).
  • 29 September 1941-4 February 1942: Transferred to Leader Reserve in Army Group South for employment as a panzer regiment commander.
  • 4 February 1942-1 December 1944: Staff Officer for Tank Warfare in the General Staff of the Army High Command Norway (Generaloberst Nikolaus von Falkenhorst). [An officer evaluation dated 31 March 1944 prepared by Generalleutnant Rudolf Bamler13, the Chief of the General Staff of the Army High Command Norway, and endorsed by Generaloberst von Falkenhorst14, described Stenglein’s professional qualifications and duties: „Firm, calm, reserved personality of determined and constant work methods. Earned special merit for his energetic support in the organization of tank defences in the far coastal regions and in building the alternating tank units in Norway. Combines frontline experiences from action in the east [Russia] with rich technical knowledge. Performs satisfactorily as the Army Staff Officer for Tank Warfare (Stopak).“]
    Note: Fearing an Allied invasion of Norway and Sweden, Adolf Hitler directed the strengthening of German coastal defences and troop levels in Norway throughout 1942 and 1943. Although not „tank country“, the newly formed and under strength 25th Panzer Division commanded by Generalleutnant Johannes Haarde15 was transferred to Norway in March 1942. In his capacity as the Staff Officer for Tank Warfare, Stenglein assisted in the building up and training of the 25th Panzer Division for employment in the defence of Norway. The division also played a key role in an operational study prepared by Generalleutnant Adolf von Schell (commander of the 25th Panzer Division since 1 January 1943) that examined the possibility of a German invasion and occupation of southern Sweden in the event of an Allied move on that country via Norway. By July 1943, the strength of the 25th Panzer Division totaled 21.000 men, 157 tanks (14 PzKpfw II, 62 PzKpfw III, 26 PzKpfw IV and 40 French Hotchkiss H39 and 15 Somua S35 „booty“ tanks) and 15 self-propelled assault guns. With the Allied invasion threat to Scandinavia diminishing, the 25th Panzer Division departed Norway in August 1943 leaving behind about 1.000 men, a Panzer Battalion and other equipment that was used to form Panzer Division „Norway“. On 13 July 1944, Panzer Brigade „Norway“ was organized from those elements of Panzer Division „Norway“ that remained behind after the bulk of the unit transferred to Denmark for incorporation into the 25th Panzer Division which was undergoing rest and refit. Oberst Georg Maetschke commanded Panzer Brigade „Norway“ from its initial organization until the end of the war. Additionally, Panzer Battalion 211, an independent unit equipped with French Hotchkiss H39 and Somua S35 „booty“ tanks, served in Norway after withdrawing from Finland in late 1944.]
  • 1 December 1944-9 May 1945: Staff Officer for Tank Warfare in the General Staff of the 20th Mountain Army in Norway (Generaloberst Dr. jur. Lothar Rendulic and then General der Gebirgstruppe Franz Böhme from 8 January 1945-9 May 1945).
  • 9 May 1945-17 May 1948: Prisoner of war in British captivity (POW-Nr. 560278).

Zur „Bamberger Zeit“ kann ich eine Begebenheit beisteuern, die mir der städtische Amtsinspektor Hans Schirber aus Gaustadt von der 2. Kompanie (Chef: v. Lauchert) als Zeitzeuge erzählt hat.16 „Das Regiment war“, so sagte er mir, „schon etwa sechs Wochen vor ‚Kriegsausbruch‘ nach Neuhammer bei Kreuzburg in der Nähe von Oppeln (Schlesien) verlegt worden. Sonst hätte es ja bei der Kriegserklärung am Freitag, 1. September 1939, nicht sofort an Ort und Stelle sein können.“ Der Angriff auf Polen erfolgte in der Früh. Den ersten größeren Widerstand gab es bei Mokra III. Dort wurde Stengleins mit einem Balkenkreuz (= Eisernes Kreuz) gekennzeichneter Befehlspanzer abgeschossen und er dabei schwer verwundet.

Einen weiteren entscheidenden Hinweis über Mokra bzw. über die Kampfhandlungen in dieser Gegend bekam ich am 4. August 2003 in einem von Herrn Bernhard Kuss aus Psurów (früher: Klein Ellguth bei Ellguth) mit der Postleitzahl 46333 für Sternalice (früher: Sternalitz bzw. Ammern) am 27. Juli d. J. geschriebenen Brief, den ich in gedrängter Form wiedergebe:

„Geehrter Herr Andreas Stenglein!
Ihr kurzes Schreiben mit gestellten Fragen über den Ort Mokra vom 11.07.2003 haben meine Freunde von Miedzno17 an mich weitergeleitet. Nun möchte ich Ihnen die Antworten erweisen.
Zuerst über meine Person: Geboren 20. April 1934 in Klein Ellguth, Kreis Rosenberg, als Sohn vom Bauernehepaar (der Name fehlt). Unser Hof liegt 3 Km von der ehemaligen deutsch-polnischen Grenze entfernt auf deutscher Seite. Mein Vater hat als Wehrmachtssoldat den Polenfeldzug mitgemacht. Wir blieben in unserer Heimat und ich mit Familie – Ehefrau Gertrud – leben bis heutigem Tag in unserem Bauernanwesen. Wir waren immer Deutsche und sind es geblieben. Ab 1990 dürfen wir uns zu unserer deutschen Identität bekennen. Meine Frau wie auch ich sind aktive Mitglieder der Sozial Kulturellen Gesellschaft der Deutschen in Polen.
Jetzt zu Ihren Fragen: Der Ort Mokra besteht bis heute. Es ist ein Schulzeort mit drei Gliederungen: Mokra I, Mokra II, Mokra III und ist zur Samtgemeinde Miedzno (5 Km entfernt) zugehörig. Am 1. September 1939 gehörte Mokra selbstverständlich zu Polen und war ca. 30 Km östlich von der deutsch-polnischen Grenze. Zwischen Rosenberg, jetzt Olesno, verlief die Grenze gleich hinter dem deutschen Ort Windenau [heute: Wichrów]. Die Grenzziehung habe ich an Ihrer Karte angedeutet.18

Erlauben Sie Herr Stenglein, daß ich mein Schreiben auf einen Aspekt gebunden mit Ihrem Interesse an Mokra ein wenig erweitere.
Am 1. September 1939 um 4.45 Uhr hat die 4. Panzerdivision unter General Reinhardt die Grenze hinter Windenau passiert. Eigentlich ohne wesentlichen Widerstand polnischer Einheiten kamen die deutschen Panzer über Krzepice um 7.30 Uhr nach Klobuck und gegen Mittag in den Bereich von Mokra. Zwischen Mokra und Miedzno hatte sich am Waldrand, stark mit Pak-Geschützen ausgerüstet, die wolynische Kavallerie-Brigade unter Oberst [Julian] Filipowicz [1895-1945] verschanzt. Es kam zum erbitterten Kampf. An der dort verlaufenden Eisenbahnstrecke war zusätzlich der polnische Panzerzug „Smialy“ (der Mutige) im Einsatz. Im zähen Abwehrkampf haben sich die polnischen Soldaten den ganzen Tag den deutschen Angreifern widersetzt. Nach deutschen Quellen verlor die 4. Panzerdivision bei Mokra 60 Panzer. Zugleich bedeutend groß waren die Verluste auf beiden Seiten an Menschen. Die Schlacht bei Mokra war der erste Bodenkampf im II. Weltkrieg.19
Zum Gedenken und Ehren der gefallenen polnischen Ulanen wurde nach dem Kriege am Schlachtfeld ein beachtend großes Mahnmal erbaut, unter dem über Jahrzehnte, jährlich am 1. September, große patriotische Feierlichkeiten veranstaltet wurden … Pfarrer Henryk Betka begann mutig den Bau der Versöhnungs- und Friedenskirche am Schlachtfeld von Mokra. Am 1. September 2002 wurde in der neuen Kirche unter Teilnahme der zwei noch lebenden deutschen Mokra-Kämpfer die erste Messe gefeiert und die von deutschen Veteranen gestiftete Friedensglocke. eingeweiht …
Die Versöhnung von Mokra war nebenbei noch weiterhin sehr früchtetragend. Auf Hinweise polnischer Bewohner wurden im Gebiet Mokra – Miedzno einige Massengräber deutscher Soldaten von Januar-Februar 1945 lokalisiert, die nach langwierigen Verhandlungen mit dem Verband Deutscher Kriegsgräberfürsorge im gesetzlichen Vorgehen exhumiert wurden … Die Überreste kamen auf einen regelrecht eingerichteten deutschen Militärfriedhof im Gebiet von Kattowitz …
Geehrter Herr Stenglein! Ich habe zu ausschweifend im Thema ausgesagt, was Sie vielleicht überhaupt nicht interessiert. Verzeihen Sie meine Aufdringlichkeit.
Dem Umschlag lege ich einen kleinen Teil des Pressematerials über das Mokra-Thema in Kopien bei. Es sind meine eigenen Aufsätze in deutscher Sprache, die ich in unseren Heimatzeitungen, bei uns in Oberschlesien ausgegeben, veröffentlicht habe. In meinem Hause befindet sich ein beträchtlich großer Bestand der Mokra-Versöhnungsdokumentation. Ich bin willig, Ihnen die Sachen zugänglich zu machen.
Und noch eins. Für mich war Ihre Adresse interessant. Als Frontflüchtlinge kam meine Mutter mit vier Kindern – 10 Jahre Zwillinge, das heißt ich und Schwester Edeltraud, 8 Jahre Manfred und 6 Jahre Lydia – in mysteriösen Umständen nach Bamberg. Und da kamen wir mit einer Kleinbahn nach Schlüsselfeld und wurden im nebenan liegenden Dorf Thüngfeld in einem Bauernhaus einquartiert. Es war März 1945. Dort verblieben wir bis Ende Oktober 1945. Unser einziger Traum war, zurück nach Hause zu kommen. Mutter gelang es, sich und Kinder in ein Sammellager für heimkehrende Polen in Bamberg einzuschmuggeln. Das Lager befand sich in einer zerbombten und stillgelegten Bosch-Fabrik für Auto-Elektrozubehör.20 Es war fürchterlich. Wir kannten kein Wort polnisch. Es gelang uns dann doch, nach Haus zu kommen.21 Ein Zeichen von Ihnen wäre für mich und Ehefrau Gertrud erfreuend.
Die herzlichen Grüße von Bernhard Kuss.“

Der anschließende Schriftverkehr mündete in eine Einladung, der ich im Sommer 2005 nachgekommen bin. Die Eindrücke der Reise habe ich in einem Aufsatz unter dem Titel „Polen-Versöhnungsreise“ geschildert.

Der Brief hebt sich wohltuend von amtlichen und halbamtlichen Dokumenten ab, die ich im Zusammenhang mit dem Überfall auf Polen (z. B. „Fall Weiß“) gelesen habe, und – soweit ich das überblicke – durchwegs so beginnen, dass am 31. August 1939 polnische Soldaten den deutschen Rundfunksender in Gleiwitz überfielen und dadurch den Krieg auslösten. (In Wirklichkeit handelte sich um einen fingierten Überfall deutscher SS-Leute in polnischen Uniformen unter dem Kommando des SS-Sturmbannführers Alfred Naujock.) Er veranlasste mich, zum Titel „Generalmajor Hans Stenglein“ den Zusatz „und der Überfall auf Polen durch das Panzerregiment 35“ zu wählen.
Fakt ist: Am 1. September 1939 begann um 4.45 Uhr der Angriff des deutschen Schulschiffs „Schleswig-Holstein“ auf die Westerplatte bei Danzig. Zeitgleich erfolgte der Angriff auch im Süden Polens von Schlesien und der Slowakei aus, was meistens weggelassen oder nur verbrämt wiedergegeben wird. Vgl. auch Überfall auf Polen im Norden und im Süden
Das Bamberger Panzerregiment 35 im Verband der 4. Panzerdivision rückte von Windenau in Schlesien aus über Mokra und Radomsk in Richtung Warschau vor. Den Krieg und dessen Ende zu schildern, ist hier nicht die Aufgabe.

Hans Stengleins soldatische Laufbahn kann ich nicht bewerten, weil mir dazu die Kompetenz fehlt. Ich kann aber ein paar Fachmänner zu Wort kommen lassen:
In der vom Chef des Generalstabs des Oberkommandos des Heeres in Norwegen, Generalleutnant Rudolf Bamler, entworfenen und von Generaloberst von Falkenhorst [Wehrmachtsbefehlshaber in Norwegen ab 1.1.1942] gutgeheißenen Beurteilung vom 31. März 1944 (officer evaluation dated 31 March 1944 prepared by Generalleutnant Rudolf Bamler, the Chief of the General Staff of the Army High Command Norway, and endorsed by Generaloberst von Falkenhorst) wird Stenglein als „feste, standhafte, ruhige und zurückhaltende Persönlichkeit von entschlossener und gleichbleibender Arbeitsweise“ geschildert („Firm, calm, reserved personality of determined and constant work methods“).
Des Weiteren kann ich auf einen Artikel in der „Deutschen Zeitung für Norwegen“ im April 1944 anlässlich seiner Beförderung zum General unter der Überschrift „Ein neuer Panzergeneral“ verweisen, in dem etliche Charakterzüge treffend herausgearbeitet sind. Dort antwortete er auf die Frage „Warum er immer noch nicht den Weg in die Ehe gefunden habe“ recht hintersinnig: „Diese Antwort ist biologisch bedingt. Sehen Sie, ich war und bin gewillt, nur mit bestem und erbgesundem Nachwuchs aufzuwarten. Als Stammvater eines solchen schien mir ein alter Oberst nicht der rechte Mann. Wir brauchen junge Väter. Von heute an haben sich bei mir die Grundlagen entscheidend geändert, denn ich bin aus einem alten Oberst ein junger General geworden und werde als solcher nun dem Problem ernsthaft zu Leibe gehen.“ Die Beantwortung der Zusatzfrage „Wie gedenken Sie Ihre Lebensweise zu regeln, um dieses hohe Ziel zu erreichen?“ finde ich großartig: „Durch Enthaltsamkeit und nochmals Enthaltsamkeit!“ Die Reaktion auf die Bitte, als Münchener „einige grundsätzliche Ausführungen über die Mainlinie zu machen“ ist brillant: „Eine Mainlinie gibt es für mich nicht. Es ist grundfalsch, zu behaupten, daß der Main Nord- und Süddeutschland trenne. Der Main ist Bayerns Strom, nicht Bayerns Grenze! Jede andere Behauptung ist eine preußische Entstellung. Das Gefecht bei Kissingen [im Deutschen Bruderkrieg am 10. Juli 1866] wäre übrigens für uns Bayern ganz anders ausgegangen, wenn es 1866 schon Panzer gegeben hätte.“ Famos beantwortete er die letzte Frage: „Und der Gesang?“ „Ja, der Gesang. Da kann ich selber schwer antworten, da müssen Sie meine Hörer fragen. Ich will nicht unbescheiden sein, mich nicht mit Gigli oder gar Caruso vergleichen: aber das dürfte feststehen, dass mein Mezzobariton über meinen eigenen Bekanntenkreis hinaus einen guten Klang hat und dass es nicht ausgeschlossen ist, dass ich demnächst einem Ruf der hiesigen Oper zu einem Gastspiel folgen werde!“

Zum Schluss will ich noch einmal hervorheben, welche renommierten Persönlichkeiten aus der Sippe des Zimmermeisters Stenglein Johann (* 1741), verheiratet mit der Lanzendörfer Margareta, hervorgegangen sind (ohne die anderen hintansetzen zu wollen):

Stenglein Friedrich (*1868) Finanzgerichtspräsident
Stenglein Ludwig (*1869) Senatspräsident am Bayer. Obersten Landesgericht und Ankläger im Hitlerprozess 1924
Stenglein Balthasar (*1875) Zimmermeister in Schmeilsdorf
Stenglein Heinrich (*1874) Zimmermeister in Au
Stenglein Valentin (*1879) Kaffeehausbesitzer in Berlin
Stenglein Hans (*1895) Generalmajor

Bei einigen floss ausgeprägtes Soldatenblut in den Adern: Friedrich war Oberleutnant der Landwehr I. A. gewesen; Ludwig hat am 1. Weltkrieg als Bataillonschef (Major) teilgenommen; Hans ist Berufssoldat gewesen und hat beide Weltkriege mitgemacht. Alle drei sind kinderlos verstorben.

Die Abhandlung ist gegenüber der ursprünglichen Fassung aus dem Jahre 2003 aufgrund neuerer Forschungserkenntnisse leicht verändert.


Andreas Stenglein, im Juli 2006

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1) Ich habe nach dem Tod des Kronacher SPD-Landtagsabgeordneten und Tettauer Bürgermeisters Christian Müller (+ 20.1.1963) den Stimmkreis Kronach mitbetreut (zusätzlich zum Stimmkreis Bamberg-Land).

2) Aufgrund zwischenzeitlicher Nachforschungen kenne ich die Familiengeschichte genau(er). Der erste Stenglein in Au stammte tatsächlich aus Eben. Sein Vorname war Michael. Geboren war er am 18.1.1838 in Eben als Sohn des Zimmermeisters Andreas Stenglein und dessen Frau Katharina, geborene Rühr. Verheiratet war er seit 1870 mit der Witwe Dorothea Wendel, geborene Mertel, aus Reinertshaus (*2.1.1836 Hummendorf). Er hatte zwei Söhne: Heinrich (*29.12.1874) und Valentin (*13.4.1879), keine drei. Der angebliche dritte Sohn, der General, gehört nicht hierher.
Heinrich wurde Zimmermeister und heiratete die Tochter Margareta des Floßholzhändlers Johann Hetz. Er hatte einen Sohn Friedrich (*12.9.1899), der am 21.7.1923 in Neuhaus-Schierschnitz die Alma Oberender (*5.8.1903 Unterwasungen) ehelichte. Dieser legte neben der Meisterprüfung im Zimmerhandwerk auch die im Schreinerhandwerk ab. Nach dessen Tod (+ 18.4.1983) ging der Betrieb auf die Enkeltochter Bianca über. Heute wird er als KG von Dipl.-Ing. Harald Räther geführt.
Valentin wurde Kaffeehausbesitzer in Bestensee bei Königs Wusterhausen. Er hatte einen um 1907 geborenen Sohn Alfred und einen am 19.1.1912 zur Welt gekommenen Herbert, von dem ein Enkel Andre in Bestensee lebt.

3) Von den Kindern Friedrich (*17.3.1797), Margareta (*30.5.1804), Simon (*8.8.1806), Johann (*15.10.1808), Christian (*7.2.1810) und Johann II (*13.6.1814) sind zwei besonders zu erwähnen: Margareta und Johann (I).
Margaretas unehelicher Sohn Johann Georg (*4.7.1828) war Rentamtmann. Dessen Söhne Friedrich (*20.5.1868 Regensburg) und Ludwig (*27.12.1869 Regensburg) aus der am 28.9.1865 in Weiden geschlossenen Ehe mit der Luise Stiegler wurden Finanzgerichtspräsident bzw. Senatspräsident. Ludwig war 1924 als Staatsanwalt Ankläger im Hitlerprozess. Siehe meine Arbeit Ludwig Stenglein, Ankläger im Hitler-Prozess 1924 und Hans Ehard, seine rechte Hand [2002], auch bei der Staatsbibliothek Bamberg unter Ludwig Stenglein, Ankläger im Hitler-Prozess.
Aus der Ehe Johanns (I) mit der Anna Hofmann (geschlossen am 13.4.1845) ging ein Peter (*15.2.1846) hervor, der mit einer Margareta Friedmann zum Traualtar schritt. Aus dieser Ehe stammte der Sohn Balthasar (*1.7.1875), der sich mit der Katharina Eber verheiratete. Dieses Paar hatte den Sohn Wolfgang (*29.4.1900), der mit der Kunigunda Groß Hochzeit hielt. Der Sohn Karl (*16.5.1932), Zimmermeister, ist der heutige Vertreter dieser Linie.

4) Stenglein ist über seine Frau Aloisia Onkel der Schriftstellerin Marieluise Fleißer (1901-1974) geworden, die als eine der großen Frauengestalten der deutschen Literaturgeschichte im 20. Jahrhundert gilt.

5) Die Daten verdanke ich dem Stadtarchiv Ingolstadt (3.12.2002, IV/47/1-828/Ha-, 5.6.2003 und 20.6.2003) sowie dem Stadtarchiv München (30.6.2003, 32/672/2003), wofür ich mich an dieser Stelle noch einmal bedanke.

Die Angaben zu Otto Heinrich ergänze ich wie folgt: Er verheiratete sich im Juni 1910 mit der Magdalena Thoma aus Moosburg. Bezeugt ist eine Tochter Henriette (Rita), *10.6.1916 München, +2.7.2002 ebd., verw. Fürbringer, verw. Rösch. Aus ihrer am 28.7.1938 mit Oberstleutnant Wilhelm Fürbringer (*27.12.1909, +14.7.1943 in Russland) geschlossenen Ehe stammte der Gymnasiallehrer Christian Fürbringer (*14.02.1942 München), der mit der Apothekerin Christl Böckly ab 1.8.1969 verheiratet war und am 4. April 2000 in München verstorben ist. Ergänzt im Juni 2015, Andreas Stenglein.

6) Aufgeführt sind alle Einsatzorte und Schlachten während des 1. Weltkrieges. Ich habe sie hier aber nur auszugsweise übernommen.

7) Heinrich Eberbach, *24.11.1895, + 13.7.1992. Ab 1.8.1943 General der Panzertruppe.

8) Georg Hans Reinhardt, *1.3.1887, + 22.11.1963. Zuletzt (1.1.1942) Generaloberst.

9) Gustav v. Wietersheim, *11.2.1884, + 25.4.1974. Ab 1.2.1938 General der Infanterie.

10) Meinrad v. Lauchert, *29.8.1905, + 4.12.1987. Zuletzt (1.3.1945) Generalmajor.

11) Josef Harpe, *21.9.1887, + 14.3.1969. Zuletzt (1.4.1944) Generaloberst.

12) Hermann Hoth, *12.4.1885, + 25.1.1971. Generaloberst ab 19.7.1940.

13) Rudolf Bamler, *6.5.1896 Osterburg, Altmark, + 13.3.1972 Groß-Glienicke.

14) Nikolaus von Falkenhorst, *17.1.1885 Breslau, + 18.6.1968 Holzminden.

15) Johannes Harde, *21.6.1889 Wilhelmshaven, + 8.2.1945 Kolberg.

16) Hans Schirber, *23.3.1919 in Königsberg/Bayern, zuletzt Oberfeldwebel, mit dem ich anfangs August 2003 gesprochen habe, ist mittlerweile, am 2. September 2003, verstorben.
Im Regiment waren wenigstens zwei weitere Gaustadter: Ernst Haßfurther (*14.3.1916 Bamberg), der am 15.5.1940 in Belgien gefallen und im Soldatenfriedhof Lommel beigesetzt ist, sowie Valentin Schneiderbanger (*16.6.1918 Gaustadt), der heute in Trosdorf lebt.

17) Die Gemeinde Miedzno in Polen, 20 km von Czestochowa (= Tschenstochau) entfernt, besteht aus den Schultheißämtern Miedzno, Ostrowy, Mokra, Borowa, Wladyslawów, Kolaczkowice Duce, Kolaczkowice Male, Izbiska, Wapiennik sowie Debnice und zählt 7500 Einwohner. Die Gemeindefläche beträgt 113 qkm. Von Mokra bis Klobuck sind es sechs km.

18) Die zum katholischen Kirchenspiel Rosenberg gehörigen Pfarreien Ammern (Sternalitz) bzw. Hedwigstein (Kostelitz) umfassten die Orte Altvorwerk, Ellguth, Grenzhof, Klein Ellguth, Kolpnitz, Radelsdorf [heute: Radlow] und Wollendorf bzw. Bischdorf, Alteneichen, Friedrichswille, Hartwigsdorf, Ober Windenau, Buchental, Straßenkrug, Tannenhöhe, Windenau und Zarzik. Auf der eingefügten Karte ist Radlow zu erkennen; ostwärts davon liegt Mokra.

19) Den polnischen Soldaten war – lt. Schirber – weisgemacht worden, dass es sich bei den Panzern um Attrappen aus Pappdeckel oder so etwas Ähnlichem handle. Nur deshalb sei es erklärlich, dass die Reiter – voraus die Offiziere mit gezogenem Säbel, dahinter die Mannschaften mit Lanzen – auf die Panzer losstürmten. Als sie merkten was Sache war, änderten sie ihre Taktik und schossen mit Leuchtmunition auf die auf den Panzern angebrachten Reservekanister, so dass diese Feuer fingen und die Panzer außer Gefecht gesetzt wurden.
Von polnischer Seite wird das Vorgehen anders gesehen. Die polnischen Soldaten seien sehr wohl im Bilde gewesen, was auf sie zukomme. Um ihrer Infanterie den Rückzug zu ermöglichen, setzen die Ulanen zum Gegenstoß an. Major der Kavallerie Malecki gab mit erhobenem Säbel das Zeichen zur Attacke. Als die Kavalleristen von den deutschen Vorhuten mit MG-Feuer belegt wurden, galoppierten die Reiter – den schweren Reitersäbel vorgestreckt, an die Hälse der Pferde gepresst – so schnell es ging über das freie, ungedeckte Gelände. Plötzlich seien ihnen deutsche Panzer und motorisierte Einheiten entgegengerollt. Noch ehe es gelang, die rasenden Pferde zu wenden, sei ein Geschoßhagel losgebrochen. Die getroffenen Pferde stürzten, andere gingen durch und schleiften die toten und verwundeten Reiter mit. In wenigen Minuten verlor das Regiment die Hälfte seiner Reiter. Die einzige Überlebenschance für Reiter bestünde bei einer Auseinandersetzung mit Panzern nur darin, „in einem halsbrecherischen Manöver auf die Panzer zuzureiten, um so schnell wie möglich an ihnen vorbeizukommen“.

20) Bei dem Bauernhaus in Thüngfeld handelt es sich um das Anwesen der Familie Franz und Eva Sendner, das sich heute im Besitz von Frau Gerda Sendner, geborene Herzog, befindet.
Mit dem „Sammellager für heimkehrende Polen“ in der „Bosch-Fabrik“ Bamberg kann – wie mir Sebastian Dütsch aus Hallstadt, ein alter Boschler, sagte – nur der frühere Speisesaal (Kantine) in einem Nebengebäude an der Geisfelder Straße gemeint sein, in dem eine Zeit lang Zwangsarbeiter, vor allem Polen, untergebracht waren. Größere Kriegsschäden, von Brandschäden im Dachstuhl abgesehen, habe die Firma eigentlich nicht erlitten.

21) Die Flucht aus Oberschlesien nach Thüngfeld und die Rückkehr in die alte Heimat hat Bernhard Kuss in seiner Aufzeichnung „Der Schutzengel und die Heimkehr“ ausführlich geschildert. Sie liegt auch bei der Staatsbibliothek Bamberg unter Der Schutzengel und die Heimkehr.