Das Gaustadter Obere Wirtshaus

Das Gaustadter Obere Wirtshaus

unter besonderer Berücksichtigung der Wirtsfamilien
Leicht Johann, Zang Heinrich und Bayerlein Adam

Das „Obere Wirtshaus“ in der Hauptstraße 31 (Ecke Hauptstraße/Dr. Martinet- straße) ist zu seinem Namen gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Nachdem nämlich das eigentliche „Obere Wirtshaus“ mit dem vollständigen Namen „Oberes Wirtshaus auf dem Knock“, das ein Lehen des Elisabethenspitals gewesen ist und an der Stelle stand, wo heute das Wohnhaus mit der Bezeichnung Hauptstraße 40 steht, um 1750 seinen Betrieb einstellte,1 wurde der Name nicht ganz korrekt auf das gegenüberliegende Wirtshaus, das dem Domkapitel gehörte, übertragen. Neben diesem „Oberen Wirtshaus“ gab es noch das Michelsbergische „Untere Wirtshaus“ in der Hauptstraße 26 (siehe meine Veröffentlichungen über die Gaustadter Wirtshäuser).
Nach der Säkularisation 1802 wurden die Gehöfte in Privateigentum überführt, worüber die „Grundsteuer- und Umschreibkataster für die Gemeinde Gaustadt, Kgl. Landgericht und Rentamt II“, im Bestand des Staatsarchivs Bamberg (StAB) Auskunft geben (Repertorium K 211, Nr. 181 ff.).

Hervorgegangen ist das „Obere Wirtshaus“ aus dem 1337 genannten „Gundloch- hof“, der bis zu seiner Teilung zwischen 1430 und 1442 die heutigen vier Anwesen „Oberes Wirtshaus“, Schneider-Hümmer, Christel und Pfarrhaus umfasste.2 Das von Haus aus Michelsbergische Lehen ist mit dem Besitzerwechsel an den Domdechanten Hertnid von Stein (zu Ostheim) um 1475 dem Domkapitel zinspflichtig geworden. Lt. Carl Philipp Löven (Hochfürstlich Bamberg’scher Hofrat und Kloster-Syndikus) war auch der Name „Wirtschaft zum Hirschen“ geläufig und lt. Dr. Konrad Arneth wurde 1771 vom Schlereth’schen Wirtshaus gesprochen (Ortschronik Seite 157). Ab wann die Brau- und Wirtschaftsgerechtigkeit darauf ruhte, ist nicht bekannt. Um 1720 scheint aber auf jeden Fall gebraut worden zu sein (siehe meine Arbeit über „Das Gaustadter Brauereiwesen“).

Nach den „Umschreibungsakten“ besaß 1808 ein gewisser Leicht Johann das Wirtshaus, das er 1765 erworben hatte. Leicht, von Beruf Büttner und Brauer, war am 25. Januar 1739 in Wernsdorf als Sohn des Wirts Leicht Laurentius und dessen Frau Kunigunda, geborene Sauer aus Roßdorf, zur Welt gekommen und am 22. April 1765 mit der Gaustadter Schultheißentochter Hofmann Barbara (*18.7.1742)3 zum Traualtar geschritten, mit der er elf Kinder hatte.
Nach Barbaras Tod (+ 18.3.1792) ehelichte er am 12. Februar 1798 – da waren die meisten Kinder aus der ersten Ehe schon verheiratet und hatten selber wieder welche – die Lieb Barbara (geborene Gesell) aus Bamberg (*17.3.1768), die vorher mit dem „Wirt vom Schlüssel im Sand“, Lieb Peter, verheiratet war. Am 25. Juni 1812 gab er wegen „gänzlicher Entkräftung“ seinen Geist auf. Aus der zweiten Ehe sind noch einmal sechs Kinder hervorgegangen. Die (erneute) Witwe verheiratete sich am 14. September 1812 mit dem jungen Bierbrauer Reges Johann aus Gaustadt (*18.9.1786). Diese Ehe blieb kinderlos. Barbara beschloss am 29. Oktober 1835 ihre Tage. Der Witwer Reges verehelichte sich nachher am 14. Juni 1836 mit der Eva Maria Klauer aus Bamberg, mit der er zwei Kinder hatte.

Der Sohn Johann Baptist Leicht (*12.1.1800) übernahm am 16. März 1821 die Brauerei vom Stiefvater; zusätzlich erwarb er die „Wilde Rose“ in Bamberg. Er ehelichte am 5. November 1821 die Bayer Elisabeth aus Bamberg, die fünf Kinder gebar. Gestorben ist er am 10. August 1874, die Frau hat am 12. Dezember 1864 die irdische Wanderschaft beendet. Von den Kindern sind zwei im Kindesalter gestorben.
Der Sohn Martin (*19.9.1824) hat sich am 19. August 1848 mit der Bambergerin Lobert Kordula verheiratet und die „Wilde Rose“ bekommen.
Heinrich (*28.4.1826) heiratete am 9. Februar 1851 die Veit Magdalena aus Knetzgau und übernahm die Brauerei „Zum Taucher“ (= Weierich).
Die Tochter Barbara (*4.8.1839) hat am 9. September 1858 mit einem Montag Georg aus Bamberg Hochzeit gehalten.4

Am 10. April 1858 ist die Brauerei an Zang Heinrich verkauft worden.

Zang Heinrich stammte aus Gleusdorf, wo er am 21. Januar 1828 als Sohn des Zang Heinrich und dessen Frau Anna Sophie, geborene Baum, zur Welt gekommen ist. Verehelicht hat er sich am 1. Juli 1858 in Niederfüllbach mit der Zang Elisabeth, die am 14. Dezember 1837 als Tochter des Zang Johann Heinrich und dessen Frau Anna Kunigunda, geborene Fischer, das Licht der Welt erblickt hat. Beide Zangs-Familien waren evangelisch.
Nach dem Kaufvertrag vom 10. April 1858 hat er das „Wirtsgut mit realer und radicirter Brauerei-, Gast- und Schankgerechtigkeit, Wohn- und Wirtshaus, Brauhaus, Scheuer, Stallungen, Backofen und Hofrecht einschließlich 26,33 Tagewerk Acker, Wiese, Hopfengarten und Felsenkeller zum Gesamtpreis von 23.000 Gulden“ gekauft. Hinzu kam noch das im Gast- und Brauhaus befindliche, zur Wirtschaft und zum Ackerbau gehörige Inventar und Mobiliar, ferner 3 Kühe und 1 Kalbe, Heu- und Strohvorrat.
„Das Anwesen war“, so steht es in einer von der Tochter Anna verfassten Chronik, „zu unserer Zeit in gutem Zustand. Bier und Küche gut, sodaß das Gasthaus ein Ausflugsziel der Bamberger Bevölkerung war. Von dem großen am Berghang gelegenen Garten des Felsenkellers [neben dem Friedhof] bot sich ein schöner Blick weit ins Regnitz-, Maintal. Sommer und Winter war der Besuch durch Gäste gut, die oftmals ihren Weg durch den Michelsberger Wald nahmen und so den Besuch des Gasthauses mit einer schönen Wanderung verbanden. In Bamberg wurde im „Gasthof zum Sternla“, Lange Gasse, ein Ausschank unterhalten.5
Nach dem frühzeitigen Tod des Vaters [+ 7.7.1890 Gaustadt] wurden Brauerei, Gastwirtschaft und Landwirtschaft von der Ehefrau Elisabeth weiterbetrieben, nach deren schwerer Erkrankung von dem Sohn Karl [*1862, verheiratet mit Holzberger Luise aus Erlangen] und schließlich nach dessen frühen Tod [+ 19.12.1896] wieder von der Mutter Elisabeth Zang mit Unterstützung der Töchter Auguste [*14.2.1866] und Georgina [*21.1.1871].6 Schließlich wird das Besitztum an Adam Bayerlein verkauft, der es nach jahrelangem Besitz an die Frankenbräu AG [müsste „Hofbräu AG Bamberg und Erlangen“ heißen] verkauft, die die Brauerei stilllegt.“ (Auf diese Angelegenheit gehe ich noch ein)
Elisabeth wohnte zum Schluss mit den beiden Töchtern Auguste und Georgine in Bamberg, Luitpoldstraße 31, wo sie am 8. Januar 1906 ihren Lebensweg beendete. Beigesetzt wurde sie in der Gruft 47 in der Abteilung V. Die Töchter sind Mitte Dezember 1933 nach Laufamholz zu ihrer Nichte Liesel verzogen. Dort starben sie am 29. Juli 1934 bzw. 27. Februar 1947.
Die Tochter Anna (*24.9.1864) war bereits seit dem 5. November 1883 mit einem Lohse Hugo (*22.9.1854 Bamberg) ehelich verbunden, dem sie zwei Kinder gebar: Heinrich (*18.10.1889 Bamberg) und Liesel (*17.8.1895 Bamberg). Heinrich ehelichte am 14. September 1929 die Twardzik Lucie (5.2.1906 Königshütte/OS). Liesel blieb unverheiratet. Sie wohnte in Laufamholz (s. o.).
Die Tochter Margareta (*31.8.1867) ist dem Trautmann Jakob (*1.12.1858 Bamberg), Prokurist bei der Bauwollspinnerei, angetraut worden.

Die Brauerei wurde am 1. Februar 1898 von den „in allgemeiner Gütergemeinschaft lebenden Bier- brauerehegatten Bayerlein Adam und Klara aus Dresden“ – die am 18. November 1897 dort Hochzeit gehalten hatten – käuflich erwor- ben (K 5, 6178 II und K 211, Nr. 190 IV bei StAB).
Adam (*12.12.1870 Bamberg) war ein Sohn der Kaufmannseheleute Bayerlein Michael und Margareta, geborene Löhr, Klara (*23.12.1868 Niederjahna b. Meißen) war eine Tochter des Schmiedemeisters Fiedler Karl und dessen Frau Theresia, geborene Gabler.
Vom 1. November 1908 bis zum Verkauf an die Hofbräu AG Bamberg und Erlangen anfangs 1920 ist die Wirtschaft von einem Schramm Philipp aus Roßstadt (*24.4.1875) und dessen Frau Babette geführt worden (a.a.O.).

Nach den Eintragungen im Melderegister der Gemeinde Gaustadt (nun: C 51, 1684 bei StadtAB) hatte Bayerlein einen am 15. Oktober 1898 geborenen Sohn Anton, der m. W. Diplomingenieur geworden ist und sich am 28. Juli 1942 in Plauen i. Vogtland und am 6. September 1955 in Reutlingen verheiratete. Die Namen der Frauen konnte ich nicht erfahren. Gestorben ist er kinderlos am 12. Mai 1973 in Reutlingen.
Ferner geht aus der Personalkarte hervor, dass der Brauereibesitzer Bayerlein Adam am 21. April 1941 in Hartheim und seine Witwe Klara am 24. Januar 1945 in Plauen verstorben sind.
Dass eine Sächsin – zumal in Verbindung mit der Hochzeit des Sohnes – in ihre Heimat zurückkehrt, leuchtet ein. Dass jedoch ein Mensch, der hier seinen Lebensmittelpunkt hat, in den Schwarzwald oder Odenwald, wo es Ortschaften namens Hartheim gibt, zieht und dort verstirbt, leuchtet nicht ein. Und in der Tat ist er auch dort nicht gestorben, wie mir die Gemeinden auf Anfrage mitteilten. Eine standesamtliche Beurkundung des Sterbefalles konnte ich nicht ermitteln.
Des Rätsels halbe Lösung bringt ein Vermerk auf der Karte, wonach Bayerlein am 1. August 1926 „wegen Geistesstörung“ nach Kutzenberg gekommen ist.7
Ich schrieb, weil es „Klick“ gemacht hatte und „Geistesstörung“ und „Kutzenberg“ KZ assoziierte, an die Gemeinde Hartheim/Österreich, wo es ein KZ gegeben hat. Und nun habe ich des Rätsels ganze Lösung. Am 3. November d. J. [= 2003] erhielt ich folgende Nachricht:
„Sehr geehrter Herr Stenglein!
Sie haben eine Anfrage gestellt betreffend Herrn Bayerlein Adam, der angeblich während der NS-Zeit im Schloss Hartheim (www.schloss-hartheim.at) ein Opfer der so genannten Euthanasie- Aktion wurde.
Ihre Anfrage wurde an die Dokumentationsstelle Hartheim [des Oberöster-reichischen Landesarchivs in Alkoven, dokumentation@schloss-hartheim.at] weitergeleitet. Eine wesentliche Aufgabe der Dokumentationsstelle ist das Projekt „Gedenkbuch Hartheim“. In diesem Projekt versuchen wir, die Namen der in Hartheim ermordeten Menschen zusammenzutragen.
Das Einzugsgebiet der damaligen Tötungsanstalt war die Ostmark und Bayern. Momentan sind wir noch dabei, die größeren „Abgabeanstalten“ zu erfassen. Als Quelle dienen uns dabei die Abgangsbücher der jeweiligen Anstalten. Herr Dr. Aas aus Bayreuth erforscht für uns die bayrischen Anstalten. Auch jene Patienten, die aus der Anstalt Kutzenberg nach Hartheim gebracht wurden, sind bereits in unserem Gedenkbuch erfasst.
Darunter befindet sich auch ein Herr Beierlein Adam, geboren am 12.12.1870. Die Daten stimmen überein (die Schreibweise des Namens ist oft unterschiedlich), daher dürfte es sich um dieselbe Person handeln. Allerdings haben wir unter Eintritt den 28.3.1941 verzeichnet. Am 1.4.1941 wurde Herr Beierlein mit einem Transport nach Hartheim gebracht. Der 21. April 1941 erscheint als Todesdatum sehr plausibel, da das Todesdatum immer gefälscht und zwei bis drei Wochen nach der Ermordung angegeben wurde. In Wahrheit jedoch ist das Transportdatum auch das wahrscheinliche Todesdatum, da Schloss Hartheim damals ein reines Vernichtungszentrum war. Sollten Sie noch Fragen haben, können Sie mich natürlich gerne wieder kontaktieren.
Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
Magdalena Bogner.“8

NB Bayerleins Name erscheint auch in einer „List of persons murdered by german medical doctors between 1939 and 1948“ (http://www.iaapa.org.il/BA.HTM) bei „Israeli Association Against Psychiatric Assault, P. O. B. 23176, Tel. Aviv 61231“, E-Mail: iaapa@hotmail.com.

Das Wirtsgut ist, worauf ich bereits hinwies, anfangs 1920 an die Hofbräu AG Bamberg und Erlangen veräußert worden, die, wie aus einem Brief derselben vom 14. Juli 1921 an die Gemeinde Gaustadt hervorgeht, die Brauerei stilllegte.9 Die zum Anwesen gehörenden Häuser mit den heutigen Anschriften Dr. Martinetstraße 3, 5 und 5a hat sie 1921 für 37.500 Mark an die Gemeinde verkauft (K 211, Nr. 190 IV bei StAB). Die Stadt Bamberg als Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Gaustadt (durch die Umgemeindung 1972) hat vor etwa zehn Jahren die drei Häuser an Privatleute abgestoßen.

Erster Pächter war von 1. Januar 1920 bis Ende 1927 der aus Mönchsambach stammende Popp Kilian (*29.4.1892) mit Frau Barbara, geborene Ziegler.
Es folgten ab 1. Januar 1928 Schwappacher Andreas aus Walsdorf (*24.3.1887) mit Frau Christina, geborene Grüber, und ab 15. Januar 1929 Rank Konrad (*2.6.1872 Eschenau [Eckental]) mit Frau Kunigunda, geborene Schramm aus Nedensdorf bei Staffelstein. Rank übernahm ab 1. August 1934 den „Volksgarten“ (a. a. O.).10
Neue Wirtsleute wurden sodann Metzner Andreas aus Gaustadt (*6.1.1891) und Kunigunda, geborene Wieseckel aus Marloffstein bei Erlangen, die vorher in Erlangen eine Wirtschaft als Erbgut der Frau besessen hatten. Sie betrieben das Gasthaus bis 1945. Danach wurde es von der Tochter Margareta, verheiratete Ferch, bis 30. Juni 1967 weiter geführt.

Hochinteressant ist der letzte Besitzerwechsel 1935.
Am 13. August 1935 erwarb Metzner Andreas als Strohmann (was kein Geheimnisverrat ist, da die Familie keinen Hehl aus diesem Deal macht) für 24.500 RM das Anwesen (Urkunde beim Notariat III, GRN 984, und „Umschreibverzeichnis August 1935“) und verkaufte es tags darauf an Brauereibesitzer Wörner Georg (*22.5.1881 Erbach) und dessen Frau Monika, geborene Müller (*10.7.1884 Gaustadt), für 24.500 RM, wovon 7.000 auf das bewegliche Vermögen trafen (Urkunde beim Notariat Bamberg I, GRN 874 sowie 967, und „Umschreibverzeichnis Februar 1936“).11 Pächter blieb der Gastwirt Metzner Andreas mit seiner Frau Kunigunda (s. o.).

Das mittlerweile nicht mehr bewirtschaftete Wirtshaus befindet sich seit etlichen Jahren in einem heruntergekommenen Zustand.

Ende der Sechzigerjahre sind beim Ausbau der Hauptstraße (damals noch B 26) die Gehsteige geändert und Parkbuchten angelegt worden. Zur Verbesserung der Verkehrssituation wurde der Brauerei Wörner vorgeschlagen (ich habe mich als Bürgermeister sehr engagiert), die Treppe des Oberen Wirtshauses unter finanzieller Beteiligung des Bundes und der Gemeinde ins Grundstück zu verlegen. Leider sind die damaligen Besitzer nicht auf den Vorschlag eingegangen.

 

Gegenüber der Erstfassung aus dem Jahre 2003 ist dieser Artikel leicht gekürzt und modifiziert. Da meine Beiträge zum Gaustadter Brauereiwesen und zu den Gaustadter Wirtshäusern zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben sind, kommt es zu gelegentlichen nicht vermeidbaren Überschneidungen.

Findstellen: Die eingangs erwähnten „Grundsteuer- und Umschreibkataster für die Gemeinde Gaustadt“ sowie die Akten des Bezirksamts II (Rep. K 5, Nr. 6178, a.a.O.).

Jede Verwertung, insbesondere das Herstellen von Kopien sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, ist ohne meine Einwilligung nicht erlaubt.

Andreas Stenglein, im August 2006

Das Obere Wirtshaus nach der Restaurierung durch den neuen Eigentümer im Mai 2016.
Die Bilder sind urheberrechtlich geschützt!
Andreas Stenglein
Mai 2016


1) Die Häuser am mittlerweile verrohrten unter der heutigen Hauptstraße hindurchführenden Bach (Langes Bächlein) lagen auf gleicher Höhe wie der Bach, die Häuser am Holzweg (das ist die heutige Dr. Martinetstraße) höher. Daher „auf dem Knock“.

Besitzer des Oberen Wirtshauses auf dem Knock war 1497 ein Hans Riegel aus Bamberg, Wirt zum Bären im Sand. Das war: die Nummer 2015, heute: Obere Sandstraße 23 (Schröppel).

2) Dr. Arneth, Konrad: „Gaustadt, ein fränkisches Klosterdorf“ [= Gaustadter Ortschronik] (bei der Staatsbibliothek Bamberg [StBB] unter der Signatur 22/70.3969), Seite 39 ff.

3) Die Eltern der Braut, Hofmann Hans und Elisabeth, verwitwete Dürsch, geborene Gerner, Besitzer des „Abtshofs“, sind die Stifter der „Weißen Marter“ anno 1752, nach der meine Straße benannt ist. Der Hof ist 1782 von Leicht Hans zusätzlich zur Brauerei erworben worden.

4) Johann Baptists Geschwister (vier waren im Säuglings- bzw. Kindesalter verstorben) verheirateten sich wie folgt:
1. Michael (*9.2.1766): Auf ihn habe ich keinen Hinweis gefunden.
2. Elisabeth (*24.7.1767) wurde am 22.2.1789 Frau eines Gärtner Johann Michael. Als Witwe ist sie am 21.8.1798 dem Reindl Johann Baptist (Bamberger Buchdruckerfamilie) angetraut worden.
3. David (*5.12.1768) heiratete am 17.11.1796 eine Döring Margareta aus Memmelsdorf. 1796 erwarb er das „Untere Wirtshaus“ in Gaustadt, 1802 ging er nach Memmelsdorf, wo er sich auf dem Anwesen Nr. 3 mit der heutigen Bezeichnung Hauptstraße 5 als Bauer und Büttner niederließ. Drei der fünf Söhne blieben in Memmelsdorf. Der Lebenslauf des Sohnes Konrad (*16.11.1813) war nicht zu klären. Johann Baptist (*27.3.1819) wanderte 1850 nach Siebenbürger aus (Nachfolger leben heute in Amerika).
4. Johann Georg (*10.1.1771) ehelichte am 13.6.1793 die Stirnlein Kunigunda, mit der er acht Kinder hatte. Er bekam den „Abtshof“. Selber erwarb er über den Schwiegervater Stirnlein Nikolaus das Anwesen mit der jetzigen Bezeichnung Martin-Ott-Straße 12 (das 1765 vom „Kellereihof“ [heute Hauptstraße 32a] abgetrennt worden war).
Der Sohn Michael (*20.4.1794) erwarb das heute der Familie Blenk gehörende Anwesen (+13.2.1830 unverheiratet). Von den verheirateten Söhnen Georg (*11.2.1796) und Johann (*20.2.1800) sind keine Kinder bezeugt. Auf den am 25.7.1807 geborenen Sohn Kaspar gehen über den Sprössling Johann Karl (*15.1.1850) die Gaustadter Leicht und über den anderen Sprössling Johann (*1.4.1833) die Bischberger Leicht zurück.
Ergänzung:
Der Bauer Leicht Georg (*11.2.1796 Gaustadt), der am 14.5.1821 die Bauerntochter Stirnlein Anna Maria (*20.6.1799 Gaustadt) in Bischberg (wohin Gaustadt damals kirchlich gehörte) heiratete (nachrichtlich auch in der Pfarrei Breitengüßbach) und in Breitengüßbach Nummer 11 lebte, hatte auf jeden Fall einen am 1.1.1824 in Breitengüßbach zur Welt gekommenen Johann. Dieser trat als Brauer in der Schweriner Gegend auf den Plan, wo er im Schweriner Dom am 25.6.1858 die Emma Maaß (*30.6.1831 Schwerin, +17.2.1866) und am 10.04.1866 die Bertha Krumbügel (*26.12.1844 Schwerin) ehelichte und in Ludwigslust eine Bier- & Malz-Extract-Brauerei betrieb. Bezeugt sind fünf Mädchen und fünf Buben, nämlich Friedrich Martin Wenzel (*10.6.1864 ), Karl Johann Wilhelm (*30.8.1865), Heinrich Johann Franz (*8.1.1871), Reinhard Heinrich (*8.8.1872) und Arnold Philipp Emil Luis (*20.7.1878). Verschieden ist er am 28.12.1892 in Ludwigslust, Kanalstraße 1 (Fundstellen: Pfarrmatrikel und Archivalien des Stadtarchivs Ludwigslust). Abkömmlinge leben heute in Magdeburg.
10. Dezember 2916, Andreas Stenglein
Vgl. Leicht Johann Brauer in Ludwigslust

5. Kunigunda (*4.3.1773) wurde am 6.11.1792 einem Knab Eustach aus Bamberg angetraut.
6. Johann Georg oder nur Georg (*27.10.1777) hat nicht geheiratet. Er ist Geistlicher geworden. Zuletzt war er Dekan in Stadtsteinach. Dort segnete er am 20.8.1833 das Zeitliche.
7. Johann Georg (*12.1.1780): Auf ihn fand ich keine Hinweise.
8. Johann Konrad (*1.6.1782) hat sich am 18.4.1803 in Memmelsdorf mit der Ellner Elisabeth und am 11.9.1815 mit der Dippold Anna Margareta verehelicht. Genannt wurde er auf den Anwesen Nr. 4 (heute Hauptstraße 7) und Nr. 49 (heute Hauptstraße 27). Er ist der Begründer der Memmelsdorfer Brauerfamilie Leicht. Vier seiner sechs Söhne siedelten sich in Memmelsdorf an, Johann (*14.2.1819) als Brauer und Wirt in Gundelsheim. Georg Heinrich (*5.7.1816) wurde Geistlicher, zuletzt Pfarrer in Bühl bei Simmelsdorf (Dekanat Neunkirchen am Sand), wo er am 27.2.1895 verstarb.
9. Barbara (*26.12.1798) hat am 31.7.1826 in Bamberg mit einem Reinlein Andreas Hochzeit gehalten und
10. Margareta (*16.2.1801) am 29.10.1827 in Bamberg mit einem Sennefelder Johann.
11. Heinrich (*6.12.1803) hat am 8.11.1824 eine Eichfelder Kunigunda geheiratet. Er erwarb in Bamberg die Brauerei „Zum Fässchen“ („Fässla“). die auf den Sohn Sebastian und dann auf dessen Sohn Johann Baptist überging.
12. Lorenz (*18.5.1805) hat am 14.11.1825 in Bug eine Elling Katharina zum Traualtar geführt. Genannt wurde er als Besitzer des „Brauhauses Bug“. Die Söhne Martin und Georg besaßen in Bamberg die Brauerei „Mohrenpeter“ und „Zum wilden Mann“.
Diese, wie auch alle anderen Lebensdaten, entstammen den Tauf- Hochzeits- und Sterbematrikeln der einschlägigen katholischen Pfarreien Amlingstadt, Bamberg [ULF], Bischberg und Memmelsdorf, die sich zentral im Bestand des Archivs des Erzbistums Bamberg (AEB) befinden, sowie der so genannten Röttingerkartei beim Stadtarchiv Bamberg (StadtAB).

5) Als Besitzer des Hauses Lange Straße 46 („Sternla“) war 1890 Zang Heinz, Brauereibesitzer in Gaustadt, eingetragen. Das steht nebenbei bemerkt nicht nur im Bamberger Häuserverzeichnis, sondern auch auf der Innenseite der Speisekarte des Lokals, auf der alle Besitzer des ältesten Bamberger Wirtshauses verzeichnet sind.

6) Das stimmt nicht ganz. Nach den „Akten des Bezirksamts Bamberg II“ (K 5, 6178 II bei StAB) hatte ab Februar 1895 [bis Januar 1898] ein Wernsdorfer Sebastian (*16.1.1855 Viereth), der vorher Pächter des Unteren Wirtshauses gewesen war, das Obere Wirtshaus gepachtet.

7) 2003 erwähnte jemand mir gegenüber beiläufig, dass ihm vor Jahren eine ehemalige Gaustädterin erzählt habe, dass ein Gaustadter Wirt [= Bayerlein] „gesponnen“ habe und „ins Irrenhaus gekommen“ sei, weil er sein [durch den Verkauf seines Anwesens erzieltes] Geld durch die Weltwirtschaftskrise (?) verloren habe und „übergeschnappt“ sei. Zudem sei er fürchterlich entstellt gewesen, weil, als ihm beim Brotzeitmachen ein Stück Wurst hinunterfiel und er es aufheben wollte, sein Hund nach ihm geschnappt und die ganze Nase abgebissen habe (damals konnte man eine abgebissene Nase noch nicht annähen). Daraufhin sei er „aufgeräumt“ worden.

8) Hartheim fungierte von 1940 bis 1944 als die größte und wichtigste Euthanasieanstalt, in der vom NS-Regime aus rassistischen, aber auch materiellen Gründen der Massenmord an geistig und körperlich behinderten Menschen durchgeführt wurde. Darüber hinaus wurden auch missliebige oder nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge der KZ Dachau, Mauthausen und Gusen getötet. Insgesamt wurden mehr als 28000 Menschen in der Gaskammer des Schlosses Hartheim ermordet. Es gab insgesamt sechs Euthanasieanstalten im Deutschen Reich (Brandenburg, Grafeneck, Bernburg, Hartheim, Sonnenstein und Hadamar). Hartheim war die einzige auf österreichischem Gebiet (Dokumentationsstelle vom 11.2.2004, AZ H-863-2004-BM).
Hinweis: Die Dokumentationsstelle, Herr Florian Schwanninger, hat mir am 1. März 2007 mitgeteilt, dass aufgrund von Bedenken bzgl. des Datenschutzes derzeit keine Opfernamen veröffentlicht werden, die Lebensgeschichte von A. Beierlein jedoch in Kürze im Rahmen unserer Ausstellung dargestellt werden wird.

Vgl.
Adam Bayerlein – Lebensspuren Schloss Hartheim
Nicht einmal einfache Hinweistafel angebracht

Bayerlein-Bilder im Rathaus

9) Die 1885 vom Hopfenhändler Simon Lessing in Bamberg gegründete Exportbrauerei Frankenbräu AG firmierte ab 1900 als „Hofbräu Bamberg“, nach der Fusion mit der „Hofbräu Erlangen“ 1919 als „Hofbräu AG Bamberg und Erlangen“. Teilhaber blieb der Sohn des Firmengründers, Willy Lessing, der in Gaustadt die Ziegelei besaß. (Die abstrusen Ausführungen auf der verlinkten Seite stehen zum Teil im krassen Widerspruch zu Dr. K. Arneths Darlegungen in der Ortschronik unter Ziegelhütte. Laut Festschrift der AGROB zum 100-jährigen Firmenjubiläum im Jahre 1959 wurde die 1864 gegründete Ziegelei 1938 von der AGROB angekauft.) Nach der „Machtergreifung 1933“ übernahm eine Münchner Bank die Brauerei-Aktien von Lessing und Ignaz Nacher, einem weiteren Teilhaber. 1972 fusionierte die „Hofbräu AG Bamberg und Erlangen“ mit der „Patrizierbräu Nürnberg“, die 1991 von der „Pschorrbräu München“ übernommen wurde.
Willy Lessing, geboren am 19.1.1881 in Bamberg, starb am 17.1.1939 an den Folgen der Verletzungen, die er in der Reichskristallnacht erlitt. Die zwei Übeltäter, Otto Körk und Hans Stadler, sind am 26.11.1946 vom Landgericht Bamberg zu sieben bzw. sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden (siehe „Fränkischer Tag Bamberg“ vom 23.11. und 27.11.1946). (Anderslautende Darstellungen stimmen mit der Sachlage offenkundig nicht überein. Siehe dazu auch meinen „Leserbrief“ im FT vom 29.2.1992, Seite 38.)

10) Das 1841 gegründete Gasthaus hieß zuerst „Wirtschaft zum grünen Tal“. Zu erwähnen ist besonders der Eintrag vom 1. März 1860. Zu diesem Zeitpunkt pachtete ein Sieber Michael das Wirtshaus vom Eigentümer Zink Michael, der auch das Untere Wirtshaus besaß. Es folgten Schrauder Georg, Stühler Johann, Scheuring Anton und ab 1895 Görtler Michael aus Oberhaid (*4.5.1848), der vorher die „Gaststätte zur Post“ gepachtet hatte. Letztere war am 1. Februar 1873 vom Zimmermeister Bohrer Ferdinand eröffnet worden. 1876 hat sie ein Schmitt Georg aus Dettelbach gekauft, dessen Pächter ab 1894 der besagte Görtler war. 1895 wurde das Gasthaus von Frank Michael, Besitzer vom „Eckenbüttner“ in Bamberg, gekauft, der es an einen Schicker Paul (*24.3.1855) aus Kupferberg verpachtete (a.a.O.).

11) Die Hegemonieansprüche der Brauerei Wörner waren damit befriedigt und die oft skurrilen Rivalitäten zwischen den beiden Wirtshäusern beendet. So hat zum Beispiel 1898 der Besitzer des Unteren Wirtshauses, Müller Anton, gegen Bayerlein Adam vorgebracht, „dass dieser vorm Keller in der Schweinfurter Straße eine Wirtschaft betreibt“ – bloß deshalb, weil der, wenn er dort arbeitete, einen Tisch und ein paar Stühle vor den Keller stellte, damit vorbeifahrende Fuhrleute ihren Durst löschen, d. h. ein Bier trinken konnten (a. a. O.).